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PSA-Test, doch besser als sein Ruf

Viele bösartige Tumore wachsen schleichend und werden erst entdeckt wenn der Patient ernsthafte Symptome hat. Oft ist es dann bereits zu spät dem Patienten eine Heilung zu ermöglichen. Leider gibt es für die meisten Tumore keine guten Marker im Blut welche eine Früherkennung ermöglichen würden. Eine Ausnahme ist das PSA (Prostata Spezifisches Antigen) welches beim Prostatakrebs genutzt werden kann. Dieses Enzym, welches als natürliche Aufgabe das Ejakulat flüssig macht, wird bei verschiedenen Erkrankungen der Prostata vermehrt ins Blut ausgeschwemmt. Ist der Wert erhöht, liegt mit grösserer Wahrscheinlichkeit ein Prostatakrebs vor. Dank dem Fortschritt der Therapie und der Früherkennung konnte die Prostatakrebs-Sterblichkeit deutlich gesenkt werden. Die Gefahr besteht jedoch, dass zu viele wenig-aggressive Tumore aktiv behandelt werden und die Patienten so unnötig Nebenwirkungen der Therapie erleiden. Aus diesem Grund und wegen einer Studie aus den USA zum PSA Screening (PCLO) kam dieser Bluttest in Verruf. Bei der PCLO-Studie wurden Patienten in 2 Gruppen eingeteilt. Während Patienten aus der ersten Gruppe regelmässig einen PSA Test erhielten, wurden Patienten aus der zweiten Gruppe nicht getestet. Diese Studie wurde in einem sehr renommierten medizinischen Fachjournal publiziert und zeigte seltsamerweise keinen Vorteil für das Screening.
Schon früh wurde unter Spezialisten diskutiert, wie es möglich sein kann, dass die Sterblichkeit an Prostatatumore allgemein gesenkt werden kann, aber Patienten in dieser grossen Studie nicht von der PSA-Früherkennung profitierten. Nun wurde 2016 die Lösung gefunden: In den USA sind PSA-Tests beim Arztbesuch sehr häufig. Und so erhielten 85% der Patienten welche eigentlich keinen Test haben durften (Blaue Gruppe im Bild) eine Prostatakrebsvoruntersuchung mittels PSA-Test. Dadurch sind die beiden Gruppen natürlich nicht mehr unterschiedlich und es erstaunt nicht, dass kein Vorteil gezeigt werden konnte.

FullSizeRenderDie sauber durchgeführte Europäische Studie (ERSPC) zum PSA Screening wird in regelmässigen Abständen vorgestellt und zeigt einen deutlichen Vorteil für die Gruppe mit dem PSA-Test, welcher über die Jahre immer grösser wird. Faktoren welche auch mitberücksichtigt werden müssen sind die Entstehung von Metastasen (Knochenschmerzen) und die Notwendigkeit einer antihormonellen Therapie im Alter, welche die Lebensqualität später deutlich einschränken können. Die Sache bleibt komplex, da in den Screening-Studien Übertherapie und entstandene Nebenwirkungen nicht beleuchtet werden.
Die Richtlinien der schweizerischen Gesellschaft für Urologie empfehlen deshalb korrekterweise, dass der der mögliche Nutzen und Schaden dieser Früherkennung mit dem Patienten vor der Blutabnahme diskutiert wird. Ein Test mit 50 Jahren erlaubt zusätzlich die Patienten in generelle Risikogruppen einzuteilen und so dem Patienten massgeschneiderte Vorsorgeempfehlungen zu machen (z.b. PSA alle 3 Jahre).
Langsam schwingt das Pendel zurück und der PSA-Test wird bald wieder für ALLE zu einem wichtigen Teil der Früherkennung des häufigsten Tumors des Mannes.

 
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