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Eiger Ultra Trail – Eine steile Sache

Published on July 27, 2018 by in Must See!, Trail-Run

Jedes Jahr Mitte Juli pilgern TrailläuferInnen aus aller Welt nach Grindelwald, um die Herausforderung des Eiger-Ultra-Trails mit seinen hochalpinen steilen Berghängen anzunehmen. Innert nur sechs Austragungen ist der Lauf zu einem Fixpunkt im Trail-Jahr geworden. Die Startplätze sind sehr begehrt und in kürzester Zeit vergeben.

Die klassischen Distanzen von 101 km und 51 km sind zusätzlich noch mit tausenden von Höhenmetern gespickt. Jedoch reizen die Strecken vor allem wegen der gewaltigen Aussicht auf die wohl berühmteste Bergkulisse der Schweiz: Eiger, Mönch und Jungfrau.

Schon beim Abhohlen der Startnummer fällt auf, dass sich das Läuferfeld von anderen Trailläufen unterscheidet. Noch nie habe ich so viele durchtrainierte Beine gesehen. Nach dem Check der Pflichtausrüstung posieren die drahtigen LäuferInnen für das erste Erinnerungsfoto vor der Eigernordwand. Schon unglaublich, dass Ueli Steck diese Wand in etwas mehr als zwei Stunden hochgestiegen ist. Das Wetter ist dieses Jahr sehr gut, die hohen Gipfel sind jedoch alle mit dichten Wolken verhangen. Wie schnell das Bergwetter umschlagen kann, wird sich morgen im Verlauf des Rennens noch zeigen. Aber nun gilt es sich den Bauch mit Pasta vollzuschlagen und früh ins Bett zu gehen. In der letzten Nacht schläft man ja gewöhnlich wegen der Nervosität immer schlechter. Deshalb gilt die alte Läuferweisheit: Für den Schlaf und ein gutes Rennen ist vor allem die “Nacht vor der letzten Nacht” entscheidend.

Renntag: Nach einer Portion Porridge und Weissbrot mit Honig machen wir uns auf zum Startgelände. Die Beine fühlen sich angespannt an, die Muskeln zwicken hier und dort. Es ist nicht einfach das Tapering vor einem Lauf auszuhalten. Es kommen Zweifel auf, aber genau hier muss man einen kühlen Kopf behalten. Wenn das Training gestimmt hat, wird auch das Rennen klappen. Genau um 7:30h schickt uns der Startschuss auf den strengen Anstieg auf die Grosse Scheidegg. Bald werden die Carbon-Laufstöcke hervorgenommen, welche bei Anstiegen über 1000m wirklich vorteilhaft sind. Im Schutz des Wetterhorns zieht die Karawane der LäuferInnen hoch und höher. Ein leichter Regenschauer und ein bissiger Wind kühlen unsere Körper schnell ab. Die Windjacke wird übergezogen, ein Riegel gegessen und schon rennen wir weiter hoch in Richtung des Faulhorns. Die zurückgelegte Distanz ist noch nicht gross und wir wissen nicht genau, wie viel Energie wir sparen müssen. Wir preschen einfach los und merken dann beim steilen 600m Aufstieg weit über der Waldgrenze auf das Faulhorn, dass wir wohl etwas übertrieben haben. Die Luft wird immer dünner und der Brustkasten hebt sich deutlich mehr als üblich. Der Blick vom Faulhorn ist überwältigend. Auf der einen Seite der mächtige Eiger und auf der anderen der stahlblaue Brienzersee. Wie eine Modelllandschaft liegen die Dörfer des Berner Oberlandes unter uns.

Nun kommt ein langes Stück, welches man gut rennen kann. Der Schotter zwingt einen jedoch, jeden Schritt gut zu planen. Oft muss ich die Stöcke zur Balance einsetzen. Auch über die Schneefelder lässt es sich mit Stöcken besser “skifahren”. Die Sonne brennt zwischen den Quellwolken auf uns herunter. Um etwas Gewicht zu sparen habe ich meinen Trinkbidon bei der letzten Station nur zur Hälfte gefüllt  – was für ein Anfängerfehler! In der Schynigen Platte geht mit das Wasser aus. Eigentlich wäre es jetzt auch Zeit für ein energiespendendes Sport-Gel, jedoch sollte man diese mit Wasser einnehmen, um den Magen nicht übermässig zu strapazieren. Tapfer rennen wir die nächsten zwei Kilometer bis wir von einem nachsichtigen Streckenposten einen Kübel Wasser angeboten bekommen. Nach einem Liter Flüssigkeit klart sich mein Blick wieder und wir rennen weiter begab. Die Schläge auf den Oberschenkel werden zur Tortur. Das Bergabrennen wird immer unterschätzt, es zehrt an den Reserven deutlich mehr als Bergauflaufen. Noch ein giftiger Gegenanstieg im Hang und wir können die letzten Kilometer nach Burglauen im Tal in Angriff nehmen. Einer Mitläuferin mit heftigen Muskelkrämpfen offerieren wir unsere letzten Salztabletten und sprechen ihr Mut zu.

Unten im Tal trennen sich die Wege des E51 und des E101. Die längere Strecke zieht auf der anderen Seite des Tales wieder in die Höhe und führt über den Männlichen nach Grindelwald. Ein “Umweg” der gerne mal neun Stunden zusätzlich dauert. Wir bleiben im Tal und beschleunigen nochmals auf dem Grindelwald und träumen schon vom Zieleinlauf. Es beginnt zu regnen und dunkle Wolken ziehen auf. Erste Blitze und Donner sind in der Ferne zu hören. Im Ziel bekommen wir die lang ersehnte Medaille – ein echtes Unikat aus Hochgebirgskalk. Der Stein vom Eiger am Bändel wird stolz getragen, als sei es ein Diamant.

Wir schauen auf die Berggipfel und sehen, dass es zu blitzen beginnt. Das Wetter schlägt plötzlich um und viele LäuferInnen müssen hoch in den Alpen Schutz suchen. Der Lauf wird für zweieinhalb Stunden unterbrochen und die LäuferInnen des  101 Km langen Ultras werden auf einer leicht abgekürzten Strecke ins Tal geleitet. Nach Sonnenuntergang beleuchten die Stirnlampen den Weg und sehen von weitem aus wie eine Ameisenstrasse aus Glühwürmchen. Hoffentlich sind sie bald im Ziel.

Den OrganisatorInnen muss ein grosses Lob für die perfekte Organisation und die richtigen Entscheidungen ausgesprochen werden. Mein Dank gilt auch meinen Mitläufern: Tom, Rolf, Manfred, Andreas und Patrick.

 
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